Interview mit PMI Austria Präsident DI Alexander Kagl beim PMI Forum Event // Diskussionsrunde (Nov. 2014)

Das Thema Projektmanagement wird sich meiner Meinung nach sehr stark professionalisieren. Man spricht sehr oft von „neuen  Trends“ und „Entwicklung“. Letztendlich geht es immer noch darum, daß Projekte dazu dienen, Strategien umzusetzen, Business zu generieren und damit Vorhaben effizient, produktiv und  gut organisiert umzusetzen und das möglichst schlank und effizient.“

 

Dynact: Herr Kagl, welche neuen Trends und Entwicklungen erwarten Sie Sich im Bereich Projektmanagement?

KAGL: Das Thema wird sich meiner Meinung nach sehr stark professionalisieren. Man spricht sehr oft von „neuen  Trends“ und „Entwicklung“. Letztendlich geht es immer noch darum, daß Projekte dazu dienen, Strategien umzusetzen, Business zu generieren und damit Vorhaben effizient, produktiv und  gut organisiert umzusetzen und das möglichst schlank und effizient.

Wenn man von neuen Ansätzen spricht, ist sicher das Thema „agil“ derzeit in aller Munde. Sehr oft wird das Thema „agil“ leider gerne als Ausrede benutzt, um Projekte nicht zu planen. Für mich zeichnet sich eine klare Stoßrichtung ab, die sich ergeben wird:  hybride Projekte! Das heißt, agile Blöcke in klassisch aufgesetzten Projekten.

Weiteres glaube ich, dass das Thema Projektmanagement immer mehr auf C-Level – Ebene unterwegs und angesetzt sein wird. Damit rückt es auf den  Radarschirm von Boards und Geschäftsführern. Es gibt Studien von PMI die besagen, dass derzeit nur 6% aller C-Level Management Members sich mit dem Thema Projektmanagement aktiv auseinandersetzen. Das zeigt, daß das Thema Portfoliomanagement – und damit eine strategische Priorisierung von Projekten- immer mehr ein Schwerpunkt sein wird.

Ein weiteres Thema wird das Talent Management! Die Suche nach den besten und die Entwicklung zu guten professionellen Projektleitern wird sicherlich ein Schwerpunkt sein.
Die Ausbildungsentwicklung  wird aber weggehen von Standards-Projektmanagements und Grundlagen. Diese sind Voraussetzung! Das „neue“ Projektmanagement wird immer mehr auf die Bedürfnisse der Kunden, der Prozesse, der Umgebung und der Internationalität zugeschnitten und die dafür passenden Maßnahmen und Methoden eingesetzt. Das Thema „International gültige Standards“ wird wesentlich zum Erfolg beitragen. Da ist PMI bestimmt der Vorreiter mit mehr als 600‘000 zertifizierten Projektleitern weltweit (nach einem Standard) und auch die ISO21 500, die zu 90% aus dem PMI Standard beruht, setzt damit die Basis.

 

Dynact: Herr Kagl, welche Anforderungen werden an den Projektmanager von Morgen gestellt und welche Fähigkeiten und Ausbildungen sollte er haben?

KAGL: Ich bin der festen Überzeugung, dass sich das Thema Projektmanagement allgemein und damit auch die Anforderungen der Projektleiters sehr stark in eine zwei Klassen Gesellschaft entwickeln wird. Es wird Projektleiter geben, die strategisch wichtige Projekte führen, die ein starkes Rückgrat haben, die unternehmerisch denken, die Leute motivieren, führen und in Teams zusammenhalten können, politisch sehr gut agieren und doch das Projekt und die Benefitrealisierung verteidigen und sich dafür voll verantwortlich fühlen. Nicht nur bis zum Projektende, sondern für den gesamten Businesscase.

Und es wird solche geben, die sich nur an Prozesse halten, Templates verwenden und eigentlich als PM Administratoren agieren, was aber heißt, dass der Fokus immer mehr auf professionellen Projekt-Assistenten liegen wird, die den Projektleitern genau das abnehmen: an Tools arbeiten, zu Meetings einladen, Excel Sheets ausfüllen etc. Es gibt Studien von PMI, die besagen, dass sich alleine in Deutschland bis 2020 1,6Millionen neue Projektmanagement Jobs etablieren werden!

Daß der Schwerpunkt in der Ausbildung auf den Soft-Skills liegt, versteht sich von selbst. Jedoch wird die Tendenz und Stoßrichtung eine andere sein: neue Ansätze ausprobieren, methodische Raffinessen einbauen, flexibel agieren, etwas mehr  „Mac Gyver-Style“ rein bringen und dadurch bestmöglich die Projekte umsetzen.

 

Dynact: Herr Kagl, wie müssen sich Organisationen in Zukunft aufstellen – Stichwort Prozess- oder Projektorientiert und welche Rolle wird das PMO dabei spielen?

KAGL: Auch hier glaube ich, daß sich die Zwei-Klassen-Gesellschaft weiter entwickeln wird. Entweder Organisationen haben verstanden, was Projektmanagement bedeutet, dann sind Projekte hoch angesiedelt, es gibt ein strategisches Projektportfolio, es gibt die Management-Attention des C-Levels und Projekte werden gesehen, um einfach das Business voranzutreiben, um Prozesse zu entwickeln, … des Unternehmens weiterzuführen, Organisation zu entwickeln, um Gas zu geben, Dinge einfach umzusetzen.
Oder: Organisationen haben das nicht verstanden, krabbeln dann halbherzig auf dem Thema Projektmanagement herum und sind froh, wenn irgendwelche Word-Vorlagen ausgefüllt werden. Das PMO (Projektmanagement Office) wird sich genauso entwickeln. Es wird  PMO’s geben die sehr hoch angesiedelt sind, die steuern, die aktiv eingreifen, die das Management unterstützen, die die Projektleiter unterstützen, die In-House-Consulting betreiben, die externe Projektassistenten auswählen, die Recruiting-Prozesse durchführen, etc. und es wird PMO’s geben, die eine Template Polizei sind, und einfach schauen, dass irgendwelche Tool und Methorden ausgefüllt sind.

 

Dynact: Welche Rolle spielen Zertifizierungen aus ihrer Sicht in Zukunft?

KAGL: Ich glaube, dass Zertifizierungen auf der einen Seite  immer wichtiger werden, auf der anderen Seite aber auch immer mehr Voraussetzung und Standard sind. Dh. man kann sich über Zertifizierungen nicht mehr von anderen abheben, sondern dies ist die Basis!
Da bietet PMI den tollen Nachweis, als die weltweit größte Organisation zum Thema Projektmanagement Standards, auch die einheitliche Organisation und einzige, die eine inhaltlich einheitlichen Standard international liefert.

Es tut sich im Nahen-Osten extrem viel! Der Kontinent Afrika steigt extrem auf das Thema auf und auch NGO’s, die alle ihre eigenen Standards und Methoden fahren.  PCM zB. (Project Lifecycle Management) werden auch auf  internationale klassische Standards aufsetzen.

 

Dynact: In welchem Bereich der Österreichischen Wirtschaft  wird der Bedarf nach Projektmanagern in Zukunft groß sein bzw. neu entstehen?

KAGL: Ich glaube, dass dies für alle Brachen ein interessantes Thema ist. Ich bin überzeugt, dass auch von der Unternehmensgröße unabhängig „Thema Projektmanagement“ ein großes Thema ist.
Wo sich definitiv viel tun wird, ist im Bereich des öffentlichen und teil-öffentlichen Sektors. Gerade wenn man die Zeitungen der letzten Monate aufgeschlagen hat, sieht man eine Projektkatastrophe nach der andern. Da wird es massiven Handlungsbedarf geben müssen, der auch von Kontrollorganen, von europäischen Behörden etc. gefordert sein wird und da wird sich zum Thema Projektmanagement einiges tun!

 

Dynact: Eine letzte Frage zum Schluss: Ist Projektmanagement ihrer Meinung nach tot?

KAGL: Nein, Projektmanagement ist überhaupt nicht tot! Es ist vital, dynamisch, entwickelt sich stetig weiter und wird ein starkes Rückgrat in den Organisationen werden.

 

Dynact: Danke fürs Gespräch.

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